Ethik der Liebesschule –
ein Leitfaden für einen gemeinsamen Weg

Liebesschulen sind Orte in denen wir herausfinden können, was Liebe für uns ist und wie wir sie leben wollen. Intimität, Sexualität und Beziehungen sind essentielle Bereiche unseres Lebens und bewegen uns als Menschen stark. Daher sollten wir als Kultur der Erforschung der Liebe mehr Raum geben. Um als Menschen in der Liebe ganz zu werden bzw zu wachsen, braucht es nicht nur individuelle Heilung und Entwicklung, sondern es müssen vor allem auch die gesellschaftlichen Strukturen verändert werden. Damit wird das Thema der Liebe zu einem soziokulturellen, einem politischen und einem revolutionären Thema. Wir begeben uns gemeinsam auf den Weg, Bedingungen zu schaffen und eine Kultur zu bauen, die für die Liebe förderlich ist. Es gibt von Gruppen und Gemeinschaften, aus Beziehungsforschung, Liebesforschung und aus dem therapeutisch sowie wissenschaftlichen Feld bereits viele Erfahrungen und Wissen zu diesem Thema. Daraus haben wir versucht einen Leitfaden bzw eine umfassende Ethik zu entwickeln um der Erforschung der Liebe eine gemeinsame Ausrichtung und eine gemeinsame Sprache zu geben, die einen geistigen Rahmen schafft und Orientierung bietet für einen Weg in der sowohl tiefe Verbundenheit als auch Freiheit in der Liebe erfahren und gelebt werden können.

1) Liebe, Sexualität und Beziehung können gestaltet und gelernt werden.
Liebe fällt nicht vom Himmel. Wir können über das Wesen der Liebe lernen und ihr eine Form geben. Unsere momentane Liebes- und Beziehungsfähigkeit und unsere Liebesbilder sind geprägt von unseren Eltern und unserem gesellschaftlichen, geschichtlichen und kulturellen Umfeld. Eros und Liebe haben an sich keine Grenzen – wir sollten für uns Bilder und Gefäße schaffen und gestalten, in denen Liebe und Eros auch wirklich genug Platz haben um zu atmen und gemeinsam einen Weg gehen, in dem wir immer liebes- und beziehungsfähiger werden. Es gibt dabei keine Dogmen. Weder Monogamie, Askese, Offene Beziehungen oder Polyamorie werden von uns propagiert. Es geht um die eigene Wahrheit bezüglich Liebe, Sexualität und Beziehung und die Befreiung dieser Bereiche von gesellschaftlichen Normen, Zwängen und Bewertungen. 

2) Liebe und Sexualität sind ihrem Wesen nach frei.
In der 60er Jahren wurde der Begriff der „Freien Liebe“ geprägt als Gegenbewegung einer unterdrückten Sexualität und der Institution der Ehe. Freie Liebe und ein Freier Eros sind aber nicht abhängig davon, ob ich Liebe oder Sexualität mit einem oder mehreren Menschen teile, sondern sie sind in ihrer Essenzfrei und lassen sich nicht in vorgefertigte Schemen pressen. Freie Liebe & Sexualität im Sinne der Liebesschule bedeutet, dass sich jeder Mensch nach seiner inneren Wahrheit zu seiner persönlichen Ausdrucksform von Liebe und Erotik bekennt und die Liebe nur dann aufblühen kann, wenn sie frei ist von Lüge, Verstellung, Manipulation, Zwang oder Besitz- u. Rechtsansprüchen. 

3) Liebe kennt verschiedene Phasen. 
Menschen entwickeln sich und so auch ihre Liebesbilder, Beziehungsbilder und ihre Liebesfähigkeit. Wenn wir es zulassen, ist der Ausdruck der Liebe so flexibel, dass er sich an die verschiedenen Phasen der Entwicklung des Menschen und einer Beziehung anpassen kann, so dass Menschen immer ihre momentane Wahrheit in der Liebe leben können, ohne sich bei den Übergängen verlassen zu müssen. Es gilt dann, kreative Beziehungsgefäße zu schaffen, in die die verschiedenen Liebesphasen und Beziehungsbilder integriert werden können.

4) Liebe, Sexualität und Beziehung sind verschiedene Dinge.
Die Komplexität moderner Liebesbeziehungen umfasst für die meisten Menschen verschiedene essentielle Bereiche. Um diese Vielschichtigkeit der Liebe besser verstehen zu können, ist es wichtig diese Bereiche getrennt voneinander zu erforschen und klar voneinander abgegrenzt zu benennen, bevor sie wieder zusammengeführt werden können. Die Liebesschule basiert vor allem auf der Erforschung von 3 Bereichen:  Intimität / Verbundenheit, Eros / Sexualität sowie Beziehung / Partnerschaft.  

5) Liebe gedeiht in Gemeinschaft
Der Aufbau tragfähiger Gemeinschaften, die die Liebe und Liebesfähigkeit der Einzelnen fördern, ist ein Kerngedanke der Liebesschule. Gemeinschaft ist in diesem Kontext weniger eine bestimmte Lebensform oder bestimmte Gruppe, sondern mehr eine Qualität von Miteinander. Das kann alle möglichen Formen annehmen – Freundschaften, Netzwerke, regelmäßige Übungsgruppen, Wohngemeinschaften oder mehr.
In Tamera (Portugal) hat man für solche Gemeinschaften den Begriff der „Heilungsbiotope“ entwickelt. Ein Heilungsbiotop ist eine Lebensgemeinschaft in der alle Beteiligten so zusammenleben, dass es der wechselseitigen Entwicklung und Heilung dient. Entscheidend ist das Vertrauen zwischen allen Beteiligten, denn Vertrauen ist die Grundlage der Heilung. Einer der wesentlichsten Teile von Heilungsarbeit liegt darin, soziale Strukturen aufzubauen, wo Frauen und Männer sich verständigen, sich zuhören, ihre Wesen, Wünsche, Körper kennenlernen und eine Kultur erschaffen in der alles Leibliche, Sinnliche, Sexuelle, kurz wo das LEBENDIGE sich frei bewegen kann.Der Gewinn von solchen Gemeinschaften für die Partnerliebe ist weitreichend – zB:

a) Wenn eine Partnerschaft eingebettet ist, in ein bewusstes soziales Umfeld, können wir uns als Liebende auf umfassendere Weise wahrnehmen, wo unser Blick bislang auf drastische Weise im alleinigen Bezogensein auf den Partner eingeschränkt war.

b) Gemeinschaften können sich darauf ausrichten, gemeinsam in der Liebe zu lernen und zu forschen, sich gegenseitig zu unterstützen, ehrlich und transparent zu sein. Durch die Ausrichtung und das Finden von gemeinsamen Werten und deren lebendiger Reflektion entsteht eine geistige und spirituelle Verankerung.

c) Die Gruppe bildet einen Rahmen, der Liebenden Sicherheit über ihre Beziehungen hinaus bieten kann. Dadurch können Beziehungen beweglicher werden. Die Liebe zwischen einzelnen Menschen fühlt sich dann getragen von etwas Größerem an. Das hat eine unbeschreiblich entspannende Wirkung. Wenn sie diese Sicherheit in der Partnerschaft allein suchen, wird es eng und man kann sich oft nicht mehr alles sagen, aus Angst, die Sicherheit könnte gefährdet sein.

d) In Gemeinschaft kann man Bedürfnisse auf vielfältige Weise erfüllen, statt sie ausschließlich an den Partner zu richten. Gerade das Bedürfnis nach menschlicher Verbundenheit und Nähe kann in einer Gemeinschaft gestillt werden. Das entspannt, und lässt uns kreativ werden. Die Partnerschaft wird frei, wofür sie da ist: uns zu erfreuen, uns zur Seite zu stehen und uns in unserem Wachstum zu unterstützen.


e) Gemeinschaft fördert Ehrlichkeit (wenn sie auf Vertrauen basiert), denn wir nehmen unsere Partner nicht nur als Teil einer Beziehung wahr, sondern lernen sie wieder in ihrer Ganzheit zu sehen, wer sie ausserhalb der Partnerbeziehung sind. Wir reagieren weniger emotional auf Aussagen unserer Partner, weil wir sie als Frauen, Männer, Menschen gemeinsam mit anderen kennenlernen.

f) In Gemeinschaft können wir Bewusstseinsfelder schaffen, eine Wertebasis, eine Kultur kreieren. Wir können herausfinden, wie Gesellschaft sein könnte, damit Liebe in ihr blüht.

6) Vertrauen und Treue
Wenn wir ausreichend Nähe und Qualitätszeit mit einem Menschen teilen, entsteht nach und nach ein Beziehungsraum, Vertrautheit, Vertrauen. Viele Menschen verbinden diese Qualität mit Exklusivität, oder noch richtiger: für viele ist Exklusivität eine unhinterfragte Basis ihres Partnerschaftsbildes. Wir sind unserem Partner „treu“, weil wir die Vorstellung in uns tragen, dass man bestimmte Bereiche des Lebens nur mit dem Partner teilt.
Wir versuchen in der Liebesschule einen neuen Treuebegriff zu finden, der sich nicht allein über intime oder erotische Exklusitivät definiert. Aus unserer Sicht sind Qualitäten wie Klarheit, Einlassen oder Tiefe nicht an Exklusivität, sondern vielmehr an Verbindlichkeit, Kommunikation und Ehrlichkeit geknüpft. Exklusivität macht Sinn, wenn beide aus innerem lebendigen Wunsch heraus exklusiv sein wollen. Das kann für immer so sein, oder es kann Sinn machen in Phasen, wo es besonderen Schutz / Konzentration braucht, damit sich etwas entfalten oder neu sortieren kann, zum Beispiel wenn man sich neu kennenlernt, oder neue Phasen betreten werden (Schwangerschaft, kleine Kinder, Menopause oä.), oder wenn die Beziehung gerade labil ist (Kennenlernzeit, Krisen, Krankheit).

Um einen neuen Treuebegriff zu entwickeln und zu leben, braucht es deutlich mehr, als z.B. eine Beziehung zu öffnen. Treue zu einem geliebten Menschen könnte heißen, dem treu zu sein, was ich an ihm oder ihr liebe, und ihn darin zu unterstützen, sein Wesen ganz zu entfalten. Selbst, wenn es nicht immer meine eigenen Bedürfnisse erfüllen würde. Die Treue mißt sich dann an der Stärke unserer Commitments, dem Leben unserer eigenen Wahrheit und der Liebe gegenüber.  Der Bezugspunkt der Treue ändert sich von äußeren Regeln und Normen hin zu einem inneren Bezugspunkt bzw dem Bezugspunkt in der Liebe und im Spirituellen. Sicherheit liegt nicht in äußeren Regeln und Gesetzen sondern in der Qualität von Kontakt, Kommunikation und Vertrauen.
Daher ist die Herstellung von Vertrauen eine der obersten Prioritäten eines Heilungsbiotopes. Vertrauen ist die Basis.

Das führt uns zur Frage, was Vertrauen fördert. Hier ein paar essentiellen Antworten die bisher in Gemeinschaften erfahren wurden:       

* Verpflichtung zur Wahrheit.Ich kann nur Vertrauen entwickeln, wenn ich auf die Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit meines Gegenübers bauen kann und jegliche Verstellung, Masken, Schwindelei oder Manipulation unterlassen wird. Ich muss mich selbst authentisch und echt zeigen, wenn ich erkannt werden will. Das ist eines der wichtigsten Prinzipien zum Aufbau einer Vertrauensgemeinschaft. Daher ist          es eine unserer stärksten Bestrebungen, ein Umfeld zu kreieren, in dem niemand lügen muss.

* Akzeptanz: Ich kann den oberen Punkt – meine Wahrheit aussprechen und mich zeigen – aber nur verwirklichen, wenn ich weiß, dass alles was ich aus mir heraus teile, in einem geistig offenen aber emotional geschützten Raum der Nicht-Wertung und Nicht-Verurteilung aufgenommen wird. Positiv formuliert – wenn ich Akzeptanz, Respekt, und aufrichtige Wertschätzung erfahre, auch wenn andere nicht einer Meinung mit mir sind. Für diese Haltung braucht es ein starkes Commitment und eine Verpflichtung von Seiten der Gemeinschaft.

* gegenseitige Unterstützung:Um mich vertrauensvoll öffnen und fallen lassen zu können, brauche ich das Wissen um Solidarität, Kooperation, gegenseitige Unterstützung, verantwortliche Teilnahme an der Gemeinschaft & Verlässlichkeit. Dazu gehört zB auch das Halten an Absprachen.

* Transparente Kommunikation: Wahrhaftige Kommunikation setzt immer voraus, dass ich auf mich selbst und mein Gegenüber einstimmen kann und weiss, wie es mir im Moment der Begegnung körperlich, emotional und geistig geht. Das hat mit Wahrnehmung und Empathie zu tun. Beides braucht ein gutes Körperbewusstsein. In einer eingestimmten Kommunikation tauschen wir nicht nur Informationen auf der Sachebene aus, sondern sind in der Lage uns auch auf anderen Ebenen mitzuteilen und uns selbst und den anderen zu spüren und so sicherzustellen, dass sich der andere wirklich gehört, verstanden und gefühlt fühlt. Wenn Kommunikation gelingt, ist es wie eine Brücke zwischen zwei Welten. Wir stellen also unsere Sichtweisen nebeneinander, nicht um zu gewinnen, sondern um uns verstehen zu lernen. Durch regelmäßige Settings Offener Kommunikation verhindert man, dass Dinge sich aufstauen und sich dann irgendwann allzu explosiv entladen.

* Intimität:Vertrauen nährt sich durch Momente und gemeinsame Erlebnisse von Verbundenheit. Dazu braucht es Einstimmung, Empathie und Berührbarkeit.

7) Zärtlichkeit als Friedenshaltung
Jean Paul Satre bezeichnet „Zärtlichkeit als eine Existenzweise.“ Es ist eine Grundhaltung, die von Kontakt geprägt ist und einer aktiven offenen Teilnahme an der Welt. Von einer liebenden Sorgfalt allem Lebendigen gegenüber, für das Zärtlichkeit wie Nahrung ist. Dazu brauche ich ein Wissen um meine eigene Verletzlichkeit, Empfindlichkeit und Zartheit. Und es setzt Achtsamkeit und Wahrnehmung voraus. Ich werde wahrgenommen – also bin ich. Dort wo ich den anderen wahrnehme, kann ich ihn erkennen und anerkennen – in meiner Gleichheit und Einmaligkeit.  “Zärtlichkeit , die friedliche, willkommene Grenzüberschreitung hinüber zum Du, steht als Prinzbip der Bejahung, Berührung und Vereinigung gegen das Prinzip der Verneinung, Abkapselung, Vernichtung. Es geht schon um Frieden und Krieg, Leben und Tod.”
(August Hohler)
In diesem Sinne kann ich Zärtlichkeit auch als Fundamental-Ökologie verstehen, welche immer auch Frieden und Gewaltfreiheit auf der Welt fördert. Die sinnliche zärtliche Liebe ist die sicherste Basis gegen Gewalt. Frieden ist die bedingungslose und wechselseitige Akzeptanz von Menschen die sich vertrauen, weil sie sich wahrgenommen haben.

8) Spiritualität ist die Quelle der Liebe
Wir vergessen immer wieder, dass die Liebe nicht allein in einer Verbindung zwischen zwei oder mehreren Menschen zu finden ist. Ein für uns passender Zugang zu Spiritualität und Mystik kann uns daran erinnern und uns dabei helfen, immer wieder die größere, überpersönliche und bedingungslose Dimension von Liebe zu erfahren. Wir verstehen unter Spiritualität das Bewusstsein, dass wir mehr sind als unsere Körper, unsere Gefühle oder unsere Gedanken. Eine spirituelle Praxis ist das regelmäßige Aufsuchen einer inneren Stille, Präsenz und Offenheit, in der ich dieser Dimension gewahr werden kann. Insofern heißt Spiritualität Ausrichtung des Lebens auf eine größere Wirklichkeit, von der ich Teil bin.  Manche erfahren diese Momente auch in Berührung mit der Natur und ihren Lebenskreisläufen, im Dienst an einer Gemeinschaft, im Leben ihrer Berufung oder in einem sinnstiftendem Projekt. Ein Anliegen der Liebesschule ist auch die Wiedervereinigung von Spiritualität und Sexualität.

9) Selbsterkenntnis
Liebe erfordert, dass wir uns selbst und andere immer besser erkennen. So kommen wir in Kontakt mit unseren Bedürfnissen, Wünschen, Sehnsüchten, Werten, Zielen, Ängsten oder Grenzen – kurzum mit dem was uns ausmacht. Dadurch werden wir nahbar, greifbar und fühlbar. Durch Selbstkenntnis finden wir heraus, wer wir sind und wie wir lieben möchten. Was habe ich zu geben? Welches Liebesbild passt zu mir? Wie will ich Liebe leben? Und Selbstkenntnis wiederum gewinnen wir selten allein, wir brauchen dafür Gegenüber, durch die wir uns erfahren, die uns klar und liebevoll spiegeln und uns Resonanz geben. Wir erkennen uns durch Wahrnehmen und Wahrgenommen werden. In Beziehungen geht es vor allem darum, dass ich meine emotionalen Trigger und Konfliktmuster gut kennenlerne (zB Angriff, Gegenangriff, Rechtfertigung, Rückzug, Mauern, Intellektualisieren, Zynismus, Opferhaltung …) und an der Fähigkeit arbeite, daraus immer schneller auszusteigen und auf mein Gegenüber wieder offen zuzugehen.

10) Selbstverantwortung & Commitment
Erwachsene Liebe kann nur zwischen zwei mündigen Menschen gedeihen, die beide Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Dazu gehört es zB zu lernen mit seinen Affekten und Emotionen umzugehen, sich der Wirkung seiner Worte bewusst zu sein, für seine Handlungen und Nicht-Handlungen geradezustehen, für sein eigenes körperlich-emotionales Gleichgewicht und eine stimmige Lebensführung zu sorgen und sich um seine spirituelle Anbindung und andere tragende soziale Strukturen außerhalb der Beziehung zu kümmern. Ich verpflichte mich in einer bewussten Beziehung dafür, ein Umfeld für die Liebe zu kreieren und mich für die Beziehung zu engagieren (Kontakt, Nähe, Zeit, Kommunikation).

11) Traumaarbeit
Da uns die Themen Beziehung, Intimität, Kontakt, Liebe, Geborgenheit und Sexualität ganz tief an die Kernthemen des Menschseins führen, berühren sie auch oft einen frühen traumatischen Kern in uns (Stichwort Entwicklunsgtrauma) bzw die Schatten unserer kollektiven Vergangenheit. Eine wichtige Bedingung für die persönliche und kollektive Heilarbeit in der Liebe ist daher die Bereitschaft, sich mit biografischen und kollektiv-geschichtlichen Traumen und dem Wesen von Trauma auseinanderzusetzen – vor allem auch mit der Heilung des Traumas zwischen Mann und Frau. Dabei spielt eine Vertrauensgemeinschaft eine grosse Rolle, da Traumen vor allem durch eingestimmten und liebevollen Kontakt die Möglichkeit bekommen, sich zu heilen.

 * inspiriert von der Ethik der Gemeinschaften im ZEGG nahe Berlin und Tamera / Portugal (denen wir uns in der geistigen Ausrichtung sehr verbunden fühlen) – allen voran von den Worten, Texten und Büchern von Dolores Richter und Dieter Duhm

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Ethik für eine Freie Sexualität

* Freie Sexualität ist keine Ideologie sondern eine sich von selbst vollziehende Entwicklung in Richtung Wahrheit und Freiheit wenn wir mutig genug sind, sie zuzulassen. Um diesen Mut zu finden, braucht es aber die sozialen und ethischen Grundlagen einer Vertrauensgemeinschaft
* Freie Sexualität setzt zwei erwachsene und mündige Individuen voraus die im Einvernehmen handeln.
* Freie Sexualität braucht Selbstkenntnis und damit ein gutes Gespür für Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen. Darüberhinaus auch Kontakt und Vertrauen.
* Sexuelle Leidenschaft ist noch keine Liebe. Auf sexueller Begeisterung lässt sich noch keine Partnerschaft aufbauen, denn Partnerschaft ist eine seelische und personale Beziehung.
* Nach einer erotischen Begegnung gibt es keine daraus abgeleiteten Besitzansprüche.
* Es gibt keinen Widerspruch, sich nach einem Partner zu sehnen und gleichzeitig nach erotischen Abenteuern mit anderen.
* Freie Sexualität schließt eine verantwortungsvollen Umgang mit Verhütung ein.

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Beziehungs-Charta

Du hast das Recht, ohne Scham, Schuld oder Vorwurf in allen intimen Beziehungen

  • frei von Zwang, Gewalt und Einschüchterung zu sein
  • deine Beziehungsform nach deiner inneren Wahrheit zu gestalten und zu wählen (zB ob Du eine monogame oder polyamore Beziehung haben möchtest, eine Fernbeziehung führen möchtest, getrennte Schlafzimmer oder eine Beziehung ohne Sex)
  • offen zu deiner Sexualität und deiner sexuellen Wahrheit zu stehen und deine sexuellen Wünsche, Grenzen und Ängste auszusprechen
  • die Wahrheit gesagt zu bekommen und selbst auszusprechen
  • Akzeptanz, Respekt und Würde zu erfahren
  • Nein und Ja zu sagen
  • dich zu verändern, zu wachsen, Fehler zu machen und frühere Zustimmungen und Abmachungen zu widerrufen und dein Beziehungsbild an deine Bedürfnisse anzupassen
  • alle deine Gefühle und Bedürfnisse zu spüren und zu kommunizieren
  • Grenzen in Bezug auf deine Privatsphäre zu setzen
  • klare Grenzen für die Verpflichtungen festzulegen, die Du eingehst
  • das Gleichgewicht zu suchen, zwischen dem, was Du in die Beziehung gibst, und dem, was Dir zurückgegeben wird
  • zu wissen, dass Dein Partner sich mit Dir gemeinsam für die Beziehung engagiert und mit Dir zusammenarbeitet, um auftretende Probleme zu lösen
  • eine Beziehung zu beenden

    (inspiriert von Franklin Veaux)